Wobsy und der Traubengelee
Wobsy hatte es sich in dem Sessel gemütlich gemacht und schleckte
gedankenverloren an seinem Honiglutscher. Dabei schaute er gelangweilt
Fernsehen, wo ein Bericht über die Weinlese kam. Wobsy sah, wie die Trauben
geerntet wurden und alle in einen großen Bottich kamen.
„Die schönen Trauben“, dachte sich Wobsy. „Die gehen doch alle kaputt.“ Dann
hörte Wobsy, wie jemand erklärte, dass aus den Trauben Most gemacht wird. Daraus
kann man dann Saft, Wein oder auch Gelee herstellen. Wobsy wurde hellhörig.
Gelee? Die Teddymama hatte doch erst Gelee aus Trauben gekocht, die sie im
Garten pflückte.
Wobsy sah, wie zwei junge Frauen ihre Schuhe auszogen, ihre Röcke hochzogen und
in den riesigen Bottich stiegen. Dann stampften sie auf den Trauben herum und
trampelten alle platt. Mehr und mehr wurden sie matschig und aus einem kleinen
Hahn am Bottich lief reiner Traubensaft heraus.
Wobsy
legte seinen Lutscher beiseite und sprang auf. Er lief in die Küche und holte
das angefangene Glas mit Traubengelee aus dem Schrank. Dann suchte er nach den
anderen Gläsern und stellte sie nebeneinander auf den Tisch. Er betrachtete ganz
genau Glas für Glas, brummte leise vor sich hin und schüttelte den Kopf. Nach
einer Weile sprang er auf und lief zur Teddymama, die auf der Terrasse in der
Sonne lag. Energisch baute er sich vor der Teddymama auf und stemmte seine
Pfoten in die Seite. „Sage mal, wie oft wäschst Du Dir eigentlich die Pfötchen…
äh Füße?“, wollte Wobsy wissen.
Die Teddymama schaute ein wenig überrascht von ihrem Buch auf. „Bitte was?“
„Wie oft Du Deine Füße wäschst, will ich wissen“, drängelte Wobsy.
„Wer will dass denn wissen, Wobsy?
„Na ich. Nun sag schon!“
Die Teddymama überlegte einen Moment. Kannte sie ihren Wobsy doch nur zu genau.
„He, Du Naseweiß, was heckst Du schon wieder aus?“
„Warte!“, rief Wobsy, lief zurück ins Haus und kam mit dem angefangenen Glas
Gelee zurück. „Da, schau!“, rief er aufgeregt. „Waren da etwa auch Deine Füße
drin?“, brummte Wobsy empört.
„Wie kommst Du denn darauf, Wobsy?“, fragte die Teddymama.
„Ich habe das eben im Fernsehen gesehen. Da wurden auch Trauben geerntet und
dann haben sie die mit ihren Füßen zertreten….“.
„Aber Wobsy. Das machen die doch nur bei der Weinlese. Und heute wird das nur
noch ab und zu gemacht, um zu zeigen, wie es früher gemacht wurde. Wir hatten
hier doch nur ein paar Weintrauben. Und die habe ich in den Entsafter getan“,
erklärte die Teddymama.
„Puuuhhhhhh!“, machte Wobsy. „Wenn ich mir vorstelle, das Deine Füße... in
meinem geliebten Traubengelee…. Brrrrrrr!“.
„Na warte, Du Schlingel!“, rief die Teddymama und sprang auf, während Wobsy
kichernd zurück ins Haus lief.
Mit einem breiten Grinsen und einem schelmigen Gesichtsausdruck dachte er:
"Das muss ich meinen Freunden erzählen. Ich habe es wieder einmal geschafft,
meine Teddymama zu necken!"
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006